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Junge Gedanken versus Haruki Murakami

Mai 7, 2006

Heute morgen habe ich mich verschlafen und neugierig mal durch die große weite Blogger-Welt gewühlt. Einfach mal schauen, was die anderen so schreiben. Dabei bin ich dann auf den Blog einer jungen Berlinerin gestoßen, Liz heißt sie. Und sie schreibt – aus ihrer jungen Sicht – ein paar Worte über Haruki Murakami.

Bei Ihr tauchen dann Sätze auf, wie „Man darf ihn sich nicht vorlesen lassen, es könnte passieren, dass man sich bepisst vor Lachen, weil die Worte manchmal einfach nur platt und ausgelutscht sind.“ oder „…weil die Figuren so wunderbar belanglos sind…“ Aha.

Nachdem ich von Murakami wirklich alle Bücher habe und im Gegensatz zu Liz nicht sagen kann „Ich denke, ich werde kein weiteres Buch von ihm lesen.“, habe ich mich gefragt, ob der Unterschied in der Wahrnehmung vielleicht auch an den Jahren liegen kann, die uns trennen.

Und ja, so denke ich, das kann durchaus mit ein Grund sein. Denn das für mich spannende an Haruki Murakami ist ja gerade, daß seine Figuren so normal, so mittelmäßig und vielleicht auch belanglos in ihrem Leben sind. Nichts besonderes eben. Nichts außergewöhnliches. Zumindest auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick leben sie aber doch etwas außerhalb dieser selbst beschworenen Mittelmäßigkeit und das sogar in vielen emotionalen Parallelwelten. Der ganz normale Mensch eben, der aber trotzdem seine tiefen Abgründe haben kann. Daran fast verzweifelt oder scheitert. Der am Ende doch wieder zur Ruhe zurückkehren will. Und das auch schafft. Zufrieden!

Murakami, so dachte ich mir dann, mag aber gerade deshalb für jüngere Menschen nicht so interessant sein. Ist man da doch noch in der Lebensphase, in der es nichts schlimmeres, als Mittelmaß gibt. In der man viel erleben will und auch muß und das am besten mit Pauken und Trompeten und mit all den wilden Auf´s und Ab´s. Und das ist auch gut und richtig.Und wichtig. So in Punkto Lebenserfahrung sammeln. Mit zunehmendem Alter aber weiß ich z.B. gerade diese entspannte Schlichtheit von Murkakmi zu schätzen. Also nicht mehr um jeden Preis hochaktiv und außergewöhnlich sein zu müßen, sondern ganz ruhig „mittelmäßig“, entspannt und normal sein zu können. Ohne den Erlebnisdruck und Zwang der jungen Jahre.

Dies aber natürlich auch und gerade mit all diesen Tiefen und Untiefen, die so aufregend unter der Oberfläche leben…

P.S. Und jetzt würde mich nur noch interessieren, wie ich das dann alles nach weiteren 40 Jahren beurteilen werde…

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4 Kommentare leave one →
  1. Januar 16, 2007 5:55 pm

    Ich steh nicht auf Schwulst. Und ich mag die einfachen Dinge. Aber bei Murakami waren mir die Buchstaben auf den Seiten manchmal kapitelweise wie Luft. Nicht fassbar und gleich wieder weg. Zu flüchtig. Das mag Geschmackssache sein. Aber mich würde schon interessieren, welche Lektüre du mir „meinem Alter entsprechend“ zuschreiben würdest. Und für wie alt du mich hältst.

    Liz

  2. Januar 16, 2007 6:28 pm

    Wo kann ich unterschreiben? Sie sprechen mir aus dem Herzen. Genau das ist es, was Murakamis Bücher in meinen Augen ausmacht. Schön auf den Punkt gebracht.

    (Und das, obwohl ich bis zur 40 noch ein paar Jahre habe.)

  3. Januar 16, 2007 6:34 pm

    Hallo Liz!

    Vorab mal eines: Ich mag Deinen Blog, ich mag die Art, wie Du schreibst und ich wollte weder Dich, noch Deinen Blog mit meinem Posting dissen. War nur meine unmaßgebliche Meinung, meine Stimmung, just nachdem ich Deine Zeilen gelesen hatte. Yes Ma’am!

    Nun das andere. Ich habe keine Ahnung, was für jemanden mit Mitte 20 die „richtige“ Lektüre wäre. Das ist genauso individuell wie die von uns beiden so gesehene Geschmackssache. Also was soll ich darauf antworten?! Der/die eine mag z.B. Murakami und der/die andere eben nicht. Kein Problem! Das mit dem vagen Altershinweis sollte auch keinstenfalls eine Be- oder Abwertung oder sonstiges darstellen, sondern schlichtweg einen Unterschied in einer eventuellen Wahrnehmung aufzeigen!

    Ich bezog mich in meinem BlogPost ja auch primär darauf, daß ich mal vermute, daß man wohl mit den von mir erwähnten älteren Jahren, manche Dinge oder Worte aus einer anderen Warte sieht. Beispiel: Wenn ich heute Bücher lese, die ich auch schon einmal mit Anfang/Mitte/Ende 20 gelesen habe, bewirken und bewegen sie heute etwas ganz anderes bei mir; so in Sachen Emotionsspektrum. Klar, ich habe ja seitdem einige Tage weiteres Leben gelebt, weitere schöne und weitere nicht so schöne Dinge gespürt, gefühlt, gelebt und emotional verarbeitet. Sie daher auch in mein „Ich“ bzw. meine Art, Dinge zu spüren, oder Bücher zu lesen, implementiert. Das ist ganz normal. Und so auch die besagte Veränderung in der Wahrnehmung von Büchern; das war auch schon so, als ich mit Mitte 20 Bücher gelesen habe, die auch mal mit 15 las. Darum schrieb ich ja auch abschließend, daß es mich interessieren würde, wie ich das in weiteren 40 Jahren sehen werde.

    Wie ich meinen olles Geblogsel in 40 Jahren sehen werde, das will ich dagegen so gar nicht wissen;-)

  4. Januar 16, 2007 6:46 pm

    @ Frau Bluetenstaub

    Bitte links unten. Und den Namen noch zur Sicherheit in Druckschrift dazu.

    P.S. Gruß an die Frau Oma und fragen Sie sie doch bitte, ob das mit der Haarfarbe nur für Frauen gilt, oder auch für Männer?

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