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Goldener Reiter

Mai 13, 2006

Ich habe hier in der Berliner Wohnung einen wunderbar großen Balkon. Allerdings leer. Nun bin ich ja nur temporär hier, aber ein leerer Balkon geht so gar nicht. Schon gar nicht, wenn er groß ist, der Balkon; also so richtig groß und noch dazu schön mit Terracotta gefliest.

Also habe ich mich heute flugs in große Gartencenter aufgemacht. Das am Rande der Stadt, dort, wo sie eben alle sind. Natürlich direkt neben der Nervenklinik am Rande der Stadt… Die von Joachim Witt. Sie erinnern sich? Der Goldene Reiter. Ein Song, den ich heute noch gerne höre. (Wobei ich gerade – Klischeekonform – „Finest Female Jazz“ lausche, während ich hier schreibe. Eine CD-Reihe, die trotz Compilation-Misch-Masch sehr gelungen ist.)

Nunja, auf jeden Fall begab es sich, daß ich am Eingang des Gartencenters einen Tabak- und Lottostand erspähte. Es ist Samstag, also was liegt näher, als doch mal wieder zu versuchen Fortuna auszutricksen. Ich zückte meine Lotto-Karte und wartete bis ich an der Reihe war.

Lotto-Karte deshalb, weil ich zwar nicht oft spiele, wenn aber, ich a.) meist den Schein irgendwo verlege und/oder wenn nicht, ich sowieso b.) nie dazu komme, ihn überprüfen zu lassen. Und da ist diese Lotto-Karte wunderbar, da man dann seine 4,75 Gewinn direkt überwiesen bekommt und sich um nichts kümmern muß. Wie geschaffen für mich, der ich ja auch ständig unterwegs bin.

Nun bin ich dran und halte der Dame hinter dem Tresen meine Karte hin. Die Dame sagt: „Wat iss´n ditte?“ Ich schaue sie verwundert an, und da sie extrem schielt, denke ich, sie hat die Karte nicht erkannt und so sage ich klar und deutlich: „Meine Lottokarte“. Sie daraufhin: „Wat? Wo soll´n die her sein?“ Ich: „Bayern!“ Sie wieder: „Kenn´icke nich. Die jilt hier nich´“. Ich: „Oh… Ernsthaft?“ Dann final sie: „Meenen Sie, ick lüge Sie an, oda wat?!“ Sprach´s, drehte sich zur Seite und beachtete mich nicht mehr. Hmmm.. Ich stand also wie bstellt und nicht abgeholt da, sie fragte mich dann auch nicht, ob ich ohne Karte spielen will, sondern räumte wild im Zigarettenregel Packungen hin und her.

Also bin ich ohne Lottoschein (Mist, wieder keine Millionen) ins Gartencenter, habe eine paar schöne Balkonpflanzen, Töpfe und Erde und so gekauft, und später auf dem Balkon um- bzw. eingetopft. Der Balkon sieht jetzt auf jeden schon einen Tick gemütlicher aus, obwohl es noch recht kleine Pflanzen sind. Aber immerhin. Das wird, das wird. Als ich dann später auf der – ebenfalls frisch gekauften – Sonnenliege lag, fiel mir siedend heiß ein, warum die Frau dort am Lottostand im Gartencenter am Rande der Stadt so merkwürdig war. Erst schob ich es nämlich auf die Berliner „Liebe“ zu den Bayern. Jetzt aber wußte ich die Wahrheit über sie, woher sie kam und warum sie so zu mir war:

„An der Umgehungsstraße,
kurz vor den Mauern unserer Stadt,
steht eine Nervenklinik,
wie sie noch keiner gesehen hat.

Sie hat das Fassungsvermögen
sämtlicher Einkaufszentren der Stadt.
Geh’n dir die Nerven durch,
wirst du noch verrückter gemacht.

Hey, hey, hey, ich war der goldene Reiter.
Hey, hey, hey, ich bin ein Kind dieser Stadt.
Hey, hey, hey, ich war so hoch auf der Leiter,
doch dann fiel ich ab, ja dann fiel ich ab.

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