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Herzensdinge und das Bloggen – Stephen Crane

Juni 8, 2006

Soeben bin ich nach Hause gekommen. Ein wenig müde, ein wenig geschafft. Hund und ich haben uns dann auf den Balkon (den mit den noch warmen Terracotta-Fliesen) gelegt und einfach eine Zeit lang die Wärme, die Stille und die Ruhe des frühen (Sommer-)Abends genossen.

Dann hat er sich irgendwann rein und auf sein Hundesofa verzogen. Und ich habe mich mal wieder auf Entdeckungsreise nach spannender alter und unbekannter Lyrik ins Netz aufgemacht.

Bei einem von mir geschätztem Autoren aus vergangenen Zeiten, Stephen Crane, (1871-1900) entdeckte ich dann ein gar wunderbares Gedicht:

„Many red devils ran from my heart
And out upon the page,
They were so tiny
The pen could mash them.
And many struggled in the ink.
It was strange
To write in this red muck
Of things from my heart.“

.
Whow. Sehr sehr schön. Ich konnte nicht anders, als es mir gleich zu übersetzen. Ja und so sah es dann mit meiner Tinte aus.

„Viele rote Teufel troffen aus meinem Herzen
und über das Blatt.
Sie waren so winzig,
daß der Füller sie zerquetschen konnte.
Und viele kämpften in der Tinte.
Es war seltsam,
in diesem roten Dreck
von Dingen aus meinem Herzen
zu schreiben.“

Und so ähnlich, wie ich feststellen mußte, empfinde ich das durchaus auch oft beim bloggen, wenn ich versuche, Dinge zu schreiben, die das Herz betreffen. Es ist leicht für mich, kleine feine Worte zu den normalen oder unnormalen täglichen Dingen des Lebens und der Welt zu schreiben. Es ist aber etwas ganz anderes, das Herz so mir nichts, Dir nichts, in die Tastatur zu schmeißen, und es damit quasi der ganzen Welt zu präsentieren. Ich hatte mir das, als ich dieses Blog hier anfing, auch einfacher vorgestellt. Denn ich schreibe ja im Grundsatz gerne und auch viel. Zu jedem Thema fällt mir immer irgendwas ein, und das dann zu Papier zu bringen ist nicht allzu schwer. Ich habe andererseits auch kein Problem damit, nahen Menschen Dinge aus meinem Herzen zu schreiben. Aber diese exhibitionistische Ader, wirklich alles vor Gott und der Welt auszupacken, also auch und gerade diese Herzensdinge, um die es in diesem Blog ja auch geht (gehen soll!), die fehlt mir dann doch ein wenig. Stelle ich fest.

Auch die Tatsache, daß man diese Emotionen so ins Luftleere schreibt, so ganz ohne realen Empfänger, hat für mich immer noch etwas merkwürdig ungewohntes. Zumal so Herzensdinge ja auch nicht immer ganz „schlicht gestrickt“ oder „sauber“ sind. Sie haben schließlich auch was mit den eigenen Vorlieben, den eigenen Ängsten, mit Wünschen (durchaus auch schrägen), mit Sehnsüchten und mit soviel mehr aus diesem verwirrenden BauchEmotionalen Bereich zu tun.

Nein, es ist durchaus einfacher, über schöne Cappuccino-Sitzungen zu schreiben, über Ansichten zu Lage der Nation, über merkwürdige Nachbarinnen, über schlechte Werbung, miese Politik, eben über dies und das und sonstnochwas. Aber über diese eigenen kleinen Teufel, die da tief in uns allen wohnen, zu schreiben, das erfordert doch eine andere Art von „sich auf das Netz einlassen“, als die, die ich bisher praktizierte.

Also mal schauen, was die TintenTeufel in Zukunft mit meinem Blatt Papier hier anstellen werden.

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