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Der olle Bach, Freund D., ich, und der liebe Kaffee

August 13, 2006

Als ich vorhin zu den Bachkantaten rechchierte, stieß ich auf etwas, das mir mit einem Schlag klar machte, warum ich so gerne Johann Sebastians Bachs Werken lausche. Es ist die gemeinsame Liebe zur Kaffeebohne, die uns Seelenverwandt sein läßt;-)

Während ich mit Freund D. seit knapp einem Jahrzehnt gemeinsam im Kaffeehaus sitze, saß Bach seinerzeit über zwei Jahrzehnte lang mindestens zweimal die Woche im „Zimmermannschen Kaffeehaus“ in Leipzig.

Und während er 1734/1735 daraufhin die „Kaffee-Kantate“ schrieb (nach einem Text von Christian Friedrich Henrici),

frage ich mich, was Freund D. und ich gemeinsam in einem Jahrzehnt auf die Beine gestellt haben? Ausser Unmengen von Espressi und Cappuccini zu genießen und viele gute Gespräche geführt zu haben?! Was ja auch was wert ist, ohne Frage! Aber ein gemeinsamer „Song“ oder ähnliches war eben noch nicht dabei. Freund D. und ich haben aber noch Zeit. (Also kommen Sie bitte in 10 Jahren hier noch einmal vorbei, um zu schauen, was wir bis dahin aus unserem Lieblings-Kaffeehaus heraus auf die Beine gestellt haben!)

Wie auch immer, und zurück zu Bach. Der Inhalt der Kantate geht ungefähr wie folgt:

Herr Schlendrian hat eine Tochter Names Liesgen. Muß ein dolles Mädel sein. Denn der Vater läßt sie irgendwie nicht aus seiner Aufsicht. Also frönt sie der Unsitte des täglichen Kaffeetrinkens. Das sogar mindestens dreimal pro Tag. Dem Vater gefällt das aber nicht. Nach einem ernsten Gespräch mit Drängen und Drohen des Vaters, erklärt Liesgen sich dann bereit, auf den Genuss des geliebten „Schälchen Coffee“ zu verzichten. Allerdings nur, wenn sie statt dessen heiraten darf. Der Vater willigt ein. Scheinbar findet er das weniger schlimm, als dieses ständige Kaffeetrinken. Dieser Tor! Liesgen ist aber eine ganz schlaue und gewiefte Maid, sie will beides. Mann und Kaffee. Also läßt sie heimlich schnell verbreiten, dass keiner um ihre Hand anhalten braucht, der nicht mit ihrer Kaffeeleidenschaft einverstanden ist. Ob das dann alles geklappt hat, mit Kerl und Kaffee, vermag ich nicht zu sagen. Wünschen tät‘ ich es ihr!

Denn mit diesen Attributen wäre sie defintiv eine Frau nach meinem Geschmack gewesen. Damals 1735. Nun die aktuelle Frage: Liesgen 2006, wo bist Du nur?

Jetzt aber zur Veranschaulichung ein gar feiner Auszug aus der Kaffee-Kantate „Schweigt stille, plaudert nicht“ – BWV 211 (Aria S
Flauto traverso, Continuo):

„Ei! wie schmeckt der Coffee süße,
Lieblicher als tausend Küsse,
Milder als Muskatenwein.
Coffee, Coffee muß ich haben,
Und wenn jemand mich will laben,
Ach, so schenkt mir Coffee ein!“

Wäre es jetzt nicht schon kurz vor 23:00 Uhr, würde ich Liesgens Vorschlag mit der Tasse stehenden Fußes folgen. So warte ich lüstern bis morgen früh, und freue mich jetzt schon auf den ersten Schluck…

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