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Drogentest bei der Welt – Keese und Diekman

Juni 11, 2007

Die Gerüchte, daß demnächst bei allen Chefredakteuren der Springer-Blätter/Postillen aufgrund verzerrter Außenwahrnehmungen Drogenstests eingeführt werden, kann ich nicht bestätigen. Es ist scheinbar eher so, daß eventuell einzelne Ja-Sager Chefredakteure irgendwelche komischen Substanzen zu sich nehmen, die so etwas verursachen. Anders sind Editorials, wie das, vom Welt-Chefreakteur Christoph Keese, nicht logisch zu erklären.

Unter anderem schreibt er zu den Demonstranten (wir erinnern uns, die Masse war friedlich) auf dem G8-Gipfel:

Was haben sie nicht erreicht? Sie haben nichts Nennenswertes zur Diskussion beigetragen. Schon ihre Grundthese war falsch: Dass die Staats- und Regierungschefs angeblich über die Köpfe der Menschen Gewaltpolitik betreiben, Kriege um Rohstoffe anzetteln und ganze Kontinente ins Unglück stürzen. Das Gegenteil ist der Fall. Die Politiker haben an einer besseren Welt gearbeitet, während ihre Kritiker recht selbstverliebt Karneval feierten.“

Nun gut, vielleicht kommt man als Chefredakteur der Welt nie aus seinem Elfenbeinturm Büro raus und ist auch sonst von der Welt (und Informationen zur Ausbeutung der Dritten ganz besonders) abgeschnitten. Hat daher eine etwas realitätsfremde Auffassung globaler Zusammenhänge; kann ja sein, wer weiß.

Darum salbadert Christoph Keese, der im übrigen ein wohl ziemlich laues Buch mit dem Titel Rettet den Kapitalismus geschrieben hat, gleich weiter:

Die Globalisierung ist ein Segen für die Menschheit. Sie schafft Wohlstand gerade in armen Ländern und verbessert damit die Chancen auf Frieden.

Spätestens jetzt scheint die Vermutung wirklich klar, daß Herr Keese (der sich mal besser selbst etwas zurückgehalten hätte, anstatt im eigenen Haus bloggende Kollegen zu zensieren, die – im Gegensatz zu ihm – eigene unopportunistische Meinungen haben) wirklich noch nie weiter als bis zum Kaffeevollautomaten (neben dem die gut gebaute Sekretärin immer steht) im Springer-Büro-Flur geblickt hat.
Oder aber (siehe oben) jemand kann mir gesichert und bestätigt verraten, welche merkwürdigen Substanzen seine Aussenwahrnehmung so grotesk gestört haben.

Als Belohnung dafür winkt ein Schrottplatz-Besuch, wo das böserweise angezündete Autowrack von seinem Doktorspielfreund Kai Diekmann steht. Anschließender Cappuccino und ein netter Plausch inklusive. Nein, weder mit Keese, noch mit Diekmann, das wäre ja pervers masochistisch merkwürdig, sondern mit Freund D. und mir! Das ist nämlich nett. Also meistens zumindest!

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8 Kommentare leave one →
  1. David permalink
    Juni 20, 2007 12:04 pm

    Es stellt sich wohl die Frage, wessen Wahrnehmungsradius hier begrenzt ist. Wenn Keese schreibt, dass die Globalisierung Wohlstand in armen Ländern schafft, dann vertritt er damit schlicht die Mehrheitsmeinung von Volkswirten und Entwicklungsökonomen. So eine Aussage als vollkommen realitätsfern zu beschreiben, zeugt leider nur davon, keine Ahnung von der Debatte außerhalb der typischen deutschen Protestszene zu haben.Kleines Beispiel < HREF="http://www.slate.com/toolbar.aspx?action=print&id=1918" REL="nofollow">hier<>. Krugman vertritt eine ausgesprochen linke Position unter Ökonomen, der ist KEIN Neoliberaler.Ich kann Dir auch nicht folgen, wenn Du seine Meinung als opportunistisch beschreibst. Die Mainstreamhaltung in Deutschland ist Deine, nicht seine. Wie kann dann sein Kommentar opportunistisch sein?!?Sein Buch allerdings ist in der Tat schlecht…

  2. Juni 20, 2007 6:33 pm

    David. Danke für Ihe interessanten Anmerkungen.Zum Thema Opportunismus nur soviel: In meinem Posting ging es primär um die Sache mit der Hausinternen-„Zensur“…Zu den anderen Dingen, die Sie geschrieben haben, halte ich es – weil es heute so drückend heiß ist – fröhlich und faul mit „Walter“ aus „The Big Lebowski“: „Yeah Dude! You see it your way – I see it my way.“

  3. Juni 20, 2007 6:49 pm

    Also die Mehrheitsmeinung in Deutschlad ist wohl eher, daß man einen Scheißdreck auf die armen Länder gibt. Und dann halte ich Keeses Meinung immer noch für die Meinung der schweigenden Mehrheit im allgemeinen und der Springer-Blätter-Leser insbesonders. Wäre die Meinung der Globalisierungskritiker Mainstream, sähen auch die Wahlergebnisse anders aus.

  4. Juni 21, 2007 3:21 pm

    Vielleicht können wir erstmal anmerken, dass die Ausbeutung armer Länder auch schon lange vor dem momentanen In-Schlagwort Globalisierung stattgefunden hat, und auch die Globalisierung als solche ist nur vom Format her neu, nicht von der Idee. Kolonisierung ist schliesslich auch eine Form der globalen Expansion und Ausbeutung.Das Problem mit Zitaten wie den im Text verwendeten ist immer, dass man sich das passende Hintergrundwissen (was genau sind die Feinheiten der G8ler) anderswo anlesen muss. Ist ja auch nicht schlecht, führt aber dazu, dass Blogeinträge unter Umständen reisserischer wirken als sie sind.Da Keeses Buch einen so aussagereichen Titel besitzt, behaupte ich mal, selbst ohne es gelesen zu haben, dass er vermutlich durchaus auf der Seite der Ausbeuter steht. Was ihn dazu bringt, irgendwem gegenüber Aussagen wie die zitierten zu machen, lieber Marc, ist schlicht und ergreifend ein kleines Ding namens Meinungsfreiheit. Ob man dabei bekifft, besoffen, oder nüchtern ist, spielt eigentlich keine Rolle. Und Dich und den geschätzten Freund D. gleichzeitig live zu erleben, hat wohl noch kein Aussenstehender fertiggebracht.Nun aber zu den Demonstranten… ich habe einige wirklich interessante und gut argumentierte Gespräche über den Gipfel und seine Ziele gelesen/gesehen. Was mich an den typischen Demotypen nervt, ist das ständige „Wir finden Euch Scheisse und wollen keine Globalisierung“-Geschrei. Die Welt wird irgendwie kleiner, da führt kein Weg vorbei. Die Reichen werden immer versuchen, die Armen zu bevormunden und zu gängeln. Deshalb brauchen wir keine Meckerer und Moserer, sondern Leute, die Alternativen anbieten können, wie es besser gemacht werden sollte. DAS fehlt mir, obgleich ich gern bereit bin, mich ob der fehlenden Alternativen aufklären zu lassen. Gute Ideen gibt es schliesslich überall.Ich finde es auch etwas unrealistisch, dumme Sprüche wie „Block G-8“ unter die Leute zu bringen. Im Prinzip ist es gut, wenn Gespräche stattfinden. Sich gegenseitig anzuschweigen oder hinter dem Rücken anderer zu agieren kann nur Probleme und Missverständnisse bereiten. Stattdessen, siehe oben! Protestiert, beschwert Euch, aber bitte denkt soweit weiter, dass Ihr selber was an den Tisch bringen könnt.Übrigens ist mir nicht ganz klar, was „selbsverliebter Karneval“ mit „nicht friedlich“ zu tun haben soll, wie impliziert.

  5. Juni 21, 2007 4:14 pm

    Also. Erst einmal ist es so, daß es natürlich ein schönes herhes Ziel wäre, daß alle Menschen den von Keese gewünschten Wohlstand erleben dürfen. Unterschreibe ich ja eigentlich voll und ganz. Nur das ist dann eher von den Ansätzen her „echter“ Kommunismus, denn Kapitalismus. Beim erstern sind alle gleich wohlhabend. Und beim zweiteren hinkt dann schon die ganze Wunschbild-Argumentation, denn Kapitalismus passiert immer auf dem Rücken einzelner.Außerdem ist der Mensch so strukturiert, daß selbst, wenn alle wohlhabend (was immer das laut Keese sein mag) wären, es immer einige andere geben wird, die noch mehr wollen. Noch mehr – und das hat nicht mal nur ausschließlich etwas mit Globalisierung zu tun – geht ebenfalls nur auf dem Rücken anderer.Zum Schlagwort Globalisierung hat Steffi ja schon richtig angemerkt, diese startete ja schon böse mit der Kolonialisierung, bzw. auch früher. Und klar (wie auch bei den Kreuzzügen) immer unter der Ägide, daß es „denen da“ damit doch nur besser gehen soll.@ Steffi. Die typischen Demotypen mögen die sein, die laut in jede Kamera gröhlen, und Dir daher auffallen, der Großteil ist – zum Glück – wesentlich reflektierter bzw. mehrdimensionaler. Trotzdem muß aber auch laut und nervig gemosert werden, weil eben genau das Aufmerksamkeit bringt. Und damit eventuell – langfristig – Nachdenkprozesse in Gang setzt.Oder Diskussionen – wie diese kleine hier – erst möglich macht.

  6. Juni 21, 2007 8:23 pm

    Ich sehe, dass Du geschickt den versprochenen Muellhaldenbesuch unter den Teppich kehrst, obwohl ich doch wenigstens versucht habe, die wirren Kommentare zu erklaeren… 🙂Immer auf die Kleinen!

  7. David permalink
    Juni 22, 2007 12:33 pm

    @Marc: Steckt da so eine Vorstellung dahinter, dass wenn im Kapitalismus jemand reich wird, dadurch notwendigerweise für irgendwen anders weniger vom Wohlstand übrig bleibt? Bisserl eigenartiges Verständnis von Marktwirtschaft…Oder hab ich die Bemerkungen einfach falsch verstanden, dass Kapitalismus immer auf dem „Rücken einzelner“ passiert?

  8. Juni 22, 2007 1:19 pm

    @David: aber gerade das ist doch das Schöne am Kapitalismus, wie wir ihn heute verstehen und praktizieren. Die Industrienationen kaufen irgendwo was billig ein und verscherbeln es teuer anderswo weiter. Also gibt es schon bei der Rohstoffweiterverwertung für die Einen mehr Gewinn als für die Anderen.Davon abgesehen ist Wohlstand, finanziell gemessen, auch nicht bodenlos. Wenn zwischen Dir und mir 1000 Euro rumliegen und ich nehme mir davon 800, dann nenne ich mich reich und habe eindeutig mehr als Du. Wenn wir beide mit 500 Euro durchbrennen, dann findet sich nur derjenige reich, der im Vergleich zu wem anders mehr hat. Bei dem Ausdruck Kapitalismus schwingt doch schon immer mit, dass man davon ausgeht, dass einer Kohle macht und einer nicht soviel.

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