Skip to content

Sagen Sie mal, Wolfgang Thierse…

Mai 12, 2008

… der Spiegel zitiert Sie ja in Sachen „Karneval der Kulturen“ mit den schönen Sätzen:
„Es sei aber bei weitem das schönste Fest in Berlin. Die sinnlichen Eindrücke und unerhörten Rhythmen sind schon sehr stark…“

Sagen Sie Herr Thierse, mal ganz abgesehen von den „unerhörten Rhythmen“, die da „sinnlich“ durch Ihre bartgrauen Synapsen gejagt sind, ich weiß ja nicht, in welchem Elfenbeinschloß Sie während des Karnevalumzuges so gewesen sind, hier im tiefen Kreuzberg kann es dabei kaum gewesen sein.

Warum? Nun, der Reihe nach…

1. Es war so schweinelaut, daß man eigentlich (wenn man unter 20 ist und nicht betrunken, oder wie Sie, jenseits der gefühlten geistigen 95) definitiv Ohrstöpsel benötigt hat, um nicht von den „unerhörten Rhythmen“ einen Hörsturz zu bekommen.
1.a. Daß Sie u.a. die lieben jungen Migrantenkids, die auf ihren Hip-Hop-Wägen fröhliche Sachen rappten, wie „Wir ficken Euch alle…“ und „Dann bist Du meine Nutte…“ als rhythmisch „stark“ empfanden, will ich nicht einmal auf eventuelle unterschwellige latente sexuelle Präferenzen Ihrerseits schieben, von denen ich besser auch nichts wissen möchte verwirrt mich ein wenig.
1.b. Daß Sie als braver steifer Deutscher schon dann ganz aufgeregt sind, nur weil da ein paar bunt gekleidete Menschen öffentlich trommeln und tanzen, wundert mich nicht. Gestehen Sie, Sie sind so richtig aus sich rausgegangen und haben ganz wild mit einem Fuß mitgewippt.
2. Wenn Sie „sinnliche Eindrücke“ darauf beziehen, daß ein schier unglaublicher Anteil der Menschen, die ich an der Strecke (an der ich ja zur Zeit residiere) gesehen habe, diesen Karnevalsumzug zum Komasaufen (alternativ Komakiffen et. al.) genutzt haben, stimme ich Ihnen uneingeschränkt zu. Das ist wahre Sinnlichkeit.
2.a. Wenn Sie diese „sinnlichen Eindrücke“ ebenfalls auf die vielen Menschen beziehen, die in fast jeden (nicht fest abgeschlossenen und vergitterten) Hauseingang uriniert haben, oder noch besser, ganz hemmungslos zwischen all den Menschen, an jedweden Baum strullerten, dann unterschreibe ich auch hier Ihr politisches Berlin-Werbungs-Gefasel.
3. Wenn Sie das „schönste Fest Berlins“ weiterhin auch darauf beziehen, daß neben der oben genannten Pisse, ca. jedes dritte Gebüsch an der Strecke zwischen Hermannplatz und Mehringdamm vollgekotzt war (Ich liebe den süßlichen Geruch von Kotze am Abend) und
3.a. weiter, die Straße auf der gesamten Strecke, samt allen anschließenden Bürgersteigen und Grünflächen, danach nicht nur mit Bergen von Müll, sondern auch mit einem Scherbenmeer aus kaputten Bier-, und sonstigen Flaschen übersät war, dann sind wir auch hier einer Meinung, was „schöne Feste“ angeht. Nicht, daß mir jemand nachsagen könnte, ich verstünde nichts vom ausgelassenen feiern!

Aber wissen Sie was, Wolfgang Thierse, Sie schamloser hemmungsloser Befürworter von Brot und Spielen für das Volk, sonst war es wirklich (ganz ehrlich) ein ganz netter Karnevalsumzug, zumindest für so eine immer mehr ins provinzielle abschmierende Stadt in der Nähe der polnischen Grenze…

Advertisements
One Comment leave one →
  1. Mai 13, 2008 7:35 am

    Jetzt verstehe ich, warum f.k. ursprünglich das Wochenende in Berlin verbringen wollte…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: